Lob und Tadel

    Die Auswirkungen von Lob und Tadel als soziale Bestätigung eines Erfolgs oder Misserfolgs hat schon sehr früh das    
    psychologische Forschungsinteresse angeregt.
(1 - im Literaturverzeichnis können Sie unter der Nummer 1 das Werk finden, aus dem ich die
     Informationen habe)

    Lob und Tadel ausführliche Definition aus...

    Lob wird auch oft als positive Verstärkung bezeichnet. (3)
    Tadel kann mit Strafe in Verbindung gebracht werden, denn Strafe kann zum Beispiel als Konsequenz auf Tadel
    erfolgen.

 

    Die Funktionen von Lob und Tadel sind: (4)

LOB:

  • Ausdruck von Überraschung
    ("Das hast du aber gut gemacht!")
    ODER

  • Mittel zur Kontaktaufnahme
    ("Sie haben wirklich schöne Augen!")
    ODER

  • Verbale Verstärkung
    ("Super, ganz toll, mach weiter so!")

 

TADEL:

  • Ausdruck von Überraschung
    ("Bei diesem Beispiel hätte ich mir
       mehr von dir erwartet")

    ODER

  • Mittel, sich überlegen darzustellen
    ("Das schaffst du nicht!")
    ODER

  • Bestrafung
    ("Du bist einfach für nichts
       zu gebrauchen!")

 

    Wenn man nun die Situation von Schülern betrachtet, dann kann sich folgendes Dilemma in Bezug auf Lob und Tadel
    ergeben:
(4)
    Wenn ein/e andere/r Schüler/in für die identische Leistung gelobt wird und man selbst nicht, dann glaubt man, dass
    man geringe Fähigkeiten hat.
    Wenn ein/e andere/r Schüler/in für die identische Leistung getadelt wird und man selbst nicht, dann glaubt man, dass
    man hohe Fähigkeiten hat.
 

 

    Nun kommen wir zu den paradoxe Auswirkungen von Lob und Tadel, die ich in der folgenden Tabelle
    kurz erklären möchte:
(5)


LOB:

Lob bei einer leichten Aufgabe kann auf Anstrengung zurückgeführt werden und ist es möglich, dass der Schüler/die Schülerin glaubt, dass der Lehrer/die Lehrerin ihm/ihr wenig zutraut.
 


TADEL:

Tadel bei einer schweren Aufgabe kann auf Anstrengung zurückgeführt werden und ist es möglich, dass der Schüler/die Schülerin glaubt, dass der Lehrer/die Lehrerin ihm/ihr viel zutraut.
 


    Beispiel:

    Andreas/Sara wird von ihrem/ihrer Lehrer/in für eine 
    leichte Aufgabe besonders gelobt.
    Er/Sie denkt: "Warum werde ich denn gelobt? Die
    Aufgabe war doch leicht."
    Er/Sie kann schlussfolgern: "Der Lehrer/die Lehrerin
    denkt, dass ich das nicht kann."
 

    Die Folge daraus kann sein:
    Der Selbstwert des Schülers/der Schülerin sinkt.

 


    Beispiel:

    Andreas/Sara wird von ihrem/ihrer Lehrer/in für den
    Misserfolg bei einer schweren Aufgabe getadel.
    Er/Sie denkt: "Warum werde ich getadelt? Die Aufgabe
    war doch echt schwer."
    Er/Sie kann schlussfolgern: "Der Lehrer/die Lehrerin
    denkt wohl, wenn ich mich genügend anstrenge, dann
    kann ich die Aufgabe schaffen."

    Die Folge daraus kann sein:
    Der Selbstwert des Schülers/der Schülerin steigt.

 

    Vorraussetzungen für solche paradoxe Effekte von Lob und Tadel:

    Kritik

 

    In diesem Zusammenhang erläutere ich kurz die Attributionstheorie von Weinert: (6)
    Attributionstheorien versuchen zu beschreiben, welche Ursachen Menschen dem Verhalten anderer oder ihrem
    eigenen zuschreiben.
    Man unterschiedet zwei Arten von Attributionen:
  • internale Attribution
    das Ereignis wird auf Ursachen zurück geschlossen, die innerhalb der Person liegen (Fähigkeit, Anstrengung)
  • externale Attribuition
    das Ereignis wird auf Ursachen zurück geschlossen, die außerhalb der Person liegen (Schwierigkeit der Aufgabe, Zufall)

    weiters unterscheidet man zwischen:

  • stabilen Ursachen (Fähigkeit, Schwierigkeit der Aufgabe)
  • variablen Ursachen (Anstrengung, Zufall)
  Internal External
Stabil Fähigkeit Schwierigkeit
Variabel Anstrengung Zufall

    Menschen neigen dazu, Erfolg internal zu attribuieren, dass heißt sie sehen die Ursachen des Erfolges in sich selbst -
    Fähigkeiten und Anstrengungen.
    Bei Misserfolg bevorzugt man es, den Misserfolg external zu attribuieren, dass heißt die Person schreibt den
    Misserfolg nicht sich selbst zu, sondern der Schwierigkeit der Aufgabe oder dem Zufall.


    Paradoxe Auswirkungen von Lob und Tadel: Personale und situative Moderatoren.
    Ein Artikel geschrieben von Binser, M. & Försterling, F.
(2)

    Zuerst einmal die Frage: Wozu Sanktionen?
    Sanktionsverhalten kann Ausdruck von

    Sanktionen können positiv oder negativ sein, müssen aber nicht immer Belohnung und Bestrafung entsprechen, denn
    ich kann jemandem einfach sagen, dass ich seine Leistung/sein Verhalten nicht gut finde.

    Erklärung paradoxer Fähigkeitseinschätzungen
    Bewertungsprinzip
    Dieses besagt, dass Lob oder Tadel vor allem dann ausgesprochen werden, wenn das Handlungsergebnis mit der    
    Anstrengung
der Person zusammenhängt.

    Kompensationsprinzip
    Dieses besagt, dass Erfolg vor allem dann auf hohe Fähigkeiten zurückgeführt wird, wenn Erfolg mit geringer
    Anstrengung
erzielt wird.

    Dieses Prinzip besagt weiter, dass Misserfolg vor allem dann auf niedrige Begabung zurückgeführt wird, wenn
    Misserfolg trotz hoher Anstrengung auftritt.

    Wenn Erfolg auf Grund hoher Anstrengung erzielt wird, dann ist hohe Begabung eine mögliche Ursache für das    
    Handlungsergebnis.

    Wenn Misserfolg auf Grund niedriger Anstrengung erzielt wird, dann ist niedrige Begabung eine mögliche Ursache für
    das Handlungsergebnis ist.

    Die Autoren nehmen jedoch einschränkende Bedingungen für diese Prinzipien an:

    Experiment von Binser, M. & Försterling, F.

    In einem Experiment (Experiment 1) haben die Autoren versuch interindividuelle Unterschiede für die Ursachen und
    Gründe für Lob und Tadel herauszufinden.

    Die Versuchsteilnehmer/innen sollten sich folgende Situation vorstellen:
    Schüler 1 und Schüler 2 mussten jeweils eine leichte und eine schwere Aufgabe lösen.
    Beide konnten die leichte Aufgabe lösen und sind an der schweren Aufgabe gescheitert.
    Schüler 1 erhielt nach dem Erfolg (leichte Aufgabe gelöst) eine neutrale Reaktion und wurde nach dem Misserfolg
    (scheitern an der schweren Aufgabe) getadelt.
    Schüler 2 wurde nach dem Erfolg (leichte Aufgabe gelöst) gelobt und erhielt nach dem Misserfolg (scheitern an der
    schweren Aufgabe) eine neutrale Reaktion.

  Schüler 1 Schüler 2

leichte
Aufgabe

 

 

 

Erfolg - neutrale Reaktion

 

 

 

 

Erfolg - Lob

 

 

 

schwere
Aufgabe

 

 

 

Misserfolg - Tadel

 

 

 

 

Misserfolg - neutrale Reaktion

 

 

 

Oval Callout: Du kannst dich wieder setzen.

Oval Callout:  

    Die Versuchsteilnehmer/innen musste, nachdem sie die oben stehenden Informationen erhalten haben folgende
    Frage beantworten:
    "Was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür, dass der Lehrer die beiden Schüler unterschiedlich behandelt?"
   
Die Klassifikation der freien Antworten wurde von zwei Pe
Oval Callout: Du kannst dich wieder setzen.
rsonen durchgeführt, die mit der Fragestellung und
    Untersuchung vertraut waren.

    Weiters mussten die Versuchsteilnehmer/innen seine/ihre Vermutungen angeben, für wie begabt der Lehrer die
    beiden Schüler einschätzt und für wie sympathisch dieser sie hält. Dies fand für beide Schüler getrennt statt. Die    
    Personen mussten auf einer Skala von 1 bis 9 (1 = sehr niedrige Fähigkeit; 9 = sehr hohe Fähigkeit bzw. 1 = sehr
    unsympathisch; 9 = sehr sympathisch) angeben für wie begabt und wie sympathisch sie die Schüler halten.
 

    Ergebnisse:

14,6 % Fähigkeitsunterschiede
36,5 % Nicht eindeutig zwischen Anstrengung und Fähigkeit unterscheidbar
14,6 % Sowohl Bezug auf Fähigkeit und Anstrengungsbereitschaft
15,6 % Emotionale Situation oder Voreingenommenheit des Lehrers (Sympathie)
18,8 % Restkategorie/sonstige

    14,6% führten die unterschiedliche Behandlung der Schüler auf die Fähigkeiten zurück, glaubten also, dass ein
    Schüler bessere Fähigkeiten hat.
    36,5% konnten nicht eindeutig angeben, ob die Unterschiede durch Anstrengung oder Fähigkeiten entstehen.
    14,6% glaubten, dass sowohl unterschiedliche Fähigkeiten als auch unterschiedliche Anstrengungen eine Rolle
    gespielt haben.
    15,6% waren der Meinung, dass der Lehrer unterschiedliche reagiert hat, weil ihm ein Schüler einfach
    sympathischer war.
    Bei der Restkategorie, also bei 18,8% führte man die unterschiedliche Behandlung auf andere Ursachen zurück, wie
    zum Beispiel auf die Motivationstaktik des Lehrers (er konnte zum Beispiel einen Schüler besser motivieren als den  
    anderen).

    Zur Veranschaulichung noch eine Grafik dazu:

   

    Der gelobte Schüler (Schüler 2) wird als weniger begabt eingeschätzt als der getadelte Schüler (Schüler 1).
    Dieser paradoxe Effekt zeigte sich bei 65,6% der Versuchsteilnehmern/innen.

    Der für Erfolg gelobte Schüler (Schüler 2) wird von den Versuchteilnehmern/innen als sympathischer geschätzt als
    der getadelte Schüler (Schüler 1).

    Diskussion:

    Die Versuchsteilnehmer/innen haben verschiedene Erklärungen für das unterschiedliche Sanktionsverhalten des
    Lehrers. Die verwendeten Szenarien lösen also unterschiedliche Assoziationen bei den Versuchsteilnehmer/innen
    aus.
    Paradoxe Effekte, also dass der Lehrer den nach Erfolg gelobten und nach Misserfolg neutral behandelten Schüler
    als weniger begabt wahrnimmt als den nach Erfolg neutral behandelten und nach Misserfolg getadelten Schüler,
    traten nicht bei allen Versuchsteilnehmer/innen auf.
    Diese paradoxen Effekte zeigen sich eher, wenn die Sanktion mit Fähigkeiten in Verbindung gebracht werden, wenn
    diese jedoch mit Sympathie zusammenhängen, dann zeigen sich die Effekte nicht und man nimmt an, dass der
    gelobte Schüler dem Lehrer sympathischer sei als der getadelte.

 

    Abschließend stelle ich Ihnen noch ein paar Fragen, mit denen sie kontrollieren können, ob Sie das oben
    Gelesene verstanden haben!

    (Die Antworten erfahren Sie, wenn sie jeweils auf das Fragezeichen klicken.)

        1. Was sind die Funktionen von Lob und Tadel?
 

        2. Was versteht man unter paradoxen Auswirkungen von Lob und Tadel?
 

        3. Welche Prinzipien zur Erklärung von paradoxen Fähigkeitseinschätzungen gibt es?
 

        4. Worauf führten die meisten Versuchsteilnehmer/innen des vorgestellten Experiments (von Binser, M. &
                       Försterling, F.)
die unterschiedliche Behandlung des Lehrers (der Schüler) zurück?
 

        5. Was schließen Sie aus der oben angeführten Diskussion des Experiments (von Binser, M. &
                       Försterling, F.) 
?

 

 

Buhacek Stefanie